Andersens H. C. - D?umelieschen

Четверг, Сентябрь 4, 2008 13:52

Hilfe suchend kam einmal eine Frau zu einer alten Hexe und fragte sie, ob sie ihr nicht ein kleines M?dchen verschaffen k?nnte.

„O ja, das soll nicht schwer halten!“ sagte die Hexe. „Da hast du ein Gerstenkorn; das ist nicht etwa von der Art, wie es auf einem Bauernfelde w?chst, oder womit die H?hner gef?ttert werden. Lege es in einen Blumentopf, dann wirst du etwas zu sehen bekommen!“

„Besten Dank!“ sagte die Frau und gab der Hexe ein Geldst?ck, ging dann heim, pflanzte das Gerstenkorn, und sogleich wuchs eine gro?e herrliche Blume hervor, die vollkommen einer Tulpe glich, aber die Bl?tter schlossen sich fest zusammen, als ob sie noch in der Knospe w?ren.

„Das ist eine sch?ne Blume!“ sagte die Frau und k??te sie auf die herrlichen roten und gelben Bl?tter, aber wie sie sie noch k??te, that die Blume einen gro?en Knall und ?ffnete sich. Es war, wie man nun sehen konnte, eine wirkliche Tulpe; aber mitten in der Bl?te, auf dem gr?nen Blumengriffel, sa? ein winzig kleines, blondlockiges M?dchen, fein und lieblich. Sie war nicht gr??er als ein Daumen, und deswegen wurde sie D?umelieschen genannt.

Eine pr?chtige, lackirte Wallnu?schale erhielt sie zur Wiege, blaue Veilchenbl?tter waren ihre Matratze und ein Rosenblatt ihr Deckbett. Darin schlief sie des Nachts, aber am Tage spielte sie auf dem Tische. Die Frau hatte einen Teller darauf gestellt, um den sie einen ganzen Kranz Blumen gelegt hatte, deren Stengel in das Wasser reichten. Hier schwamm ein gro?es Tulpenblatt und auf diesem durfte D?umelieschen sitzen und von der einen Seite des Tellers bis zur andern schwimmen. Zum Rudern hatte sie zwei wei?e Pferdehaare. Das sah unbeschreiblich niedlich aus. Sie konnte auch singen, o so fein und lieblich, wie man nie zuvor geh?rt hatte.

Eines Nachts, als sie in ihrem h?bschen Bettchen lag, kam durch das Fenster, in dem eine Scheibe zerbrochen war, eine h??liche Kr?te hereingeh?pft; sie h?pfte gerade auf den Tisch hernieder, wo D?umelieschen lag und unter dem roten Rosenblatte schlief.

„Das w?re eine sch?ne Frau f?r meinen Sohn!“ sagte die Kr?te, und dann ergriff sie die Wallnu?schale, in der D?umelieschen schlief, und h?pfte mit ihr durch die Scheibe in den Garten hinunter.

Da flo? ein gro?er, breiter Bach; aber dicht am Ufer war es sumpfig und morastig; hier wohnte die Kr?te mit ihrem Sohne. Hu, der war eben so garstig und h??lich, das ganze Ebenbild seiner Mutter. „Koax, Koax, breckekekex,“ war alles, was er sagen konnte, als er das h?bsche, kleine M?dchen sah.

„Schwatz’ nicht so laut, sonst wacht sie auf!“ sagte die alte Kr?te, „sie k?nnte uns sonst noch entlaufen, denn sie ist so leicht wie ein Eiderflaum! Wir wollen sie in den Bach hinaus auf eines der breiten Wasserlilienbl?tter setzen, das ist f?r sie, die so leicht und klein ist, wie eine Insel. Da kann sie nicht entlaufen, w?hrend wir den Festsaal unten tief unter dem Sumpfe, wo ihr wohnen und leben sollt, in Stand setzen.“

Die alte Kr?te schwamm nun nach einem der gro?en, gr?nen Bl?tter, welche inmitten des Baches aus dem Wasser ragten, als ob sie darauf schw?mmen, und setzte die Nu?schale mit D?umelieschen auf dasselbe nieder.

Das arme kleine M?dchen erwachte beim ersten Morgengrauen, und da es wahrnahm, wo es war, fing es gar bitterlich an zu weinen, denn Wasser umgab von allen Seiten das gro?e gr?ne Blatt.

Die alte Kr?te sa? unten im Sumpfe und schm?ckte ihr Zimmer mit Schilf und gelben Wasserlilien, denn f?r die neue Schwiegertochter sollte alles auf das Feinste hergerichtet werden. Darauf schwamm sie mit dem garstigen Sohne zu dem Blatte hinaus, wo D?umelieschen stand. Die alte Kr?te verneigte sich vor ihr bis tief ins Wasser hinein und sagte: „Hier stell’ ich dir meinen Sohn vor, der dein Mann werden soll. Ihr werdet unten im Sumpfe ganz pr?chtig wohnen.“

„Koax, Koax, breckekekex!“ war alles, was der Sohn sagen konnte. Darauf schwamm die alte Kr?te mit ihrem Sohn fort und sie nahmen D?umelieschens Bett f?r die neue Ausstattung gleich mit. Da sa? das arme kleine M?dchen und weinte hei?e Thr?nen auf das gr?ne Blatt hinab, denn sie wollte weder bei der h??lichen Kr?te wohnen, noch ihren h??lichen Sohn zum Manne haben. Die kleinen Fische, welche unten im Wasser schwammen, hatten die Kr?te recht wohl gesehen und geh?rt, was sie sagte. Sie wollten D?umelieschen gern vor der Kr?te und ihrem h??lichen Sohne retten und nagten mit ihren scharfen Z?hnen den Stiel des Blattes ab und nun schwamm das Blatt mit D?umelieschen hinab, weit, weit fort, wohin die Kr?te nicht gelangen konnte.

D?umelieschen segelte an gar vielen St?dten vor?ber, und die kleinen V?gel sa?en in den B?schen, sahen sie und sangen: „Welch niedliches kleines M?dchen!“ Weiter und immer weiter schwamm das Blatt mit ihr; so reiste denn D?umelieschen ins Ausland.

Ein allerliebster kleiner Schmetterling wurde nicht m?de sie zu umflattern und schwebte endlich auf das Blatt hernieder, denn er konnte D?umelieschen gar wohl leiden. Diese war hoch erfreut, denn die Kr?te konnte sie jetzt nicht mehr erreichen, und es war k?stlich, wo sie segelte. Die Sonne schien auf das Wasser und dieses gl?nzte wie schimmerndes Gold. Da nahm sie ihren G?rtel, schlang das eine Ende desselben um den Schmetterling und befestigte das andere am Blatte. Das glitt jetzt weit schneller das Wasser hinunter und sie mit, denn sie stand ja auf dem Blatte.

Pl?tzlich kam ein gro?er Maik?fer angeflogen, der sie gewahrte und augenblicklich seine Klauen um ihren schlanken Leib schlug und mit ihr auf einen Baum flog. Aber das gr?ne Blatt schwamm den Bach hinab und der Schmetterling flog mit, denn er war an das Blatt gebunden und konnte sich auch nicht befreien.

Gott, wie sehr erschrak das arme D?umelieschen, als der Maik?fer mit ihr auf den Baum hinaufflog! Am meisten betr?bte sie jedoch der Gedanke an den sch?nen, wei?en Schmetterling, den sie an das Blatt gebunden hatte. Konnte er nicht loskommen, mu?te er ja rettungslos verhungern.

Der Maik?fer setzte sich mit D?umelieschen auf das gr??te Blatt des Baumes, speiste sie mit dem Bl?tenhonig und sagte ihr, sie w?re sehr sch?n, obgleich sie einem Maik?fer in keinem St?cke ?hnelte. Sp?ter kamen noch viele Maik?fer zu Besuch; sie beguckten D?umelieschen von allen Seiten und die Maik?ferfr?ulein r?mpften die F?hlh?rner und sagten: „Sie hat ja nur zwei F??e; das sieht doch zu j?mmerlich aus!“

„Wie h??lich sie ist!“ sagten auch die alten Maik?ferfrauen, und trotzdem war D?umelieschen so sch?n. So kam sie auch dem Maik?fer vor, der sie entf?hrt hatte, da aber alle anderen darin ?bereinstimmten, sie w?re h??lich, so glaubte er es zuletzt ebenfalls und wollte sie nun gar nicht haben; sie konnte gehen, wohin sie wollte. Sie flogen mit ihr vom Baume hinunter und setzten sie auf ein G?nsebl?mchen. Da weinte sie, weil sie so h??lich w?re, da? sie nicht einmal die Maik?fer unter sich dulden wollten.

W?hrend des ganzen Sommers lebte D?umelieschen ganz allein in dem gro?en Walde. Sie flocht sich ein Bett aus Grashalmen und hing es unter einem gro?en Klettenblatte auf, so da? sie gegen den Regen gesch?tzt war. Bl?tenhonig war ihre Speise und ihren Durst stillte sie an dem Tau, der morgens auf den Bl?ttern stand. So verstrich Sommer und Herbst, aber nun kam der Winter, der kalte, lange Winter. Alle V?gel, die ihr so sch?n vorgesungen hatten, flogen ihrer Wege, die B?ume und Blumen welkten dahin; das gro?e Klettenblatt, unter dem sie gewohnt hatte, schrumpfte zusammen, und es blieb nur noch ein gelber, vertrockneter Stengel. Sie 4fror bitterlich, ihre Kleider waren zerrissen und sie selbst war gar fein und klein; das arme D?umelieschen mu?te erfrieren. Es begann zu schneien und jede Schneeflocke, die auf sie fiel, that dieselbe Wirkung, als wenn man auf uns eine Schaufel voll wirft, denn wir sind gro?, sie aber war nur einen Daumen lang. Da h?llte sie sich in ein verwelktes Blatt, aber das erw?rmte sie nicht; sie zitterte vor K?lte.

Hart am Saume des Waldes, wohin sie jetzt gelangt war, lag ein gro?es Kornfeld, allein das Korn war l?ngst eingeerntet, nur die nackten, trockenen Stoppeln ragten aus der gefrorenen Erde hervor. Ihr kamen sie wie ein gro?er Wald vor, den sie zu durchwandern hatte, und sie klapperte nur so vor K?lte. Da kam sie vor die Th?r der Feldmaus. Deren ganzes Reich bestand in einer kleinen H?hle unter den Kornstoppeln. Dort wohnte die Feldmaus gesch?tzt und behaglich, hatte die ganze Stube voll Korn und eine pr?chtige K?che und Speisekammer. Das arme D?umelieschen stellte sich an die Th?r, gerade wie jedes andere Bettelm?dchen, und bat um ein kleines St?ckchen Gerstenkorn, denn sie hatte seit zwei Tagen nicht das Geringste zu essen bekommen.

„Du arme Kleine!“ sagte die Feldmaus, denn es war im Grunde genommen eine gute, alte Feldmaus, „komm’ in meine warme Stube herein und i? mit mir!“

Da sie nun Gefallen an D?umelieschen fand, sagte sie: „Du kannst getrost den Winter ?ber bei mir bleiben, aber du mu?t mir die Stube h?bsch sauber halten und mir Geschichten erz?hlen, denn das ist meine Lust!“ D?umelieschen that, was die gute, alte Feldmaus verlangte und hatte es ganz vortrefflich bei ihr.

„Nun bekommen wir gewi? bald Besuch!“ sagte die Feldmaus. „Mein Nachbar pflegt mich t?glich zu besuchen. Der hat noch mehr vor sich gebracht, als ich, hat gro?e S?le und geht in einem herrlichen schwarzen Sammetpelze einher. K?nntest du den zum Manne bekommen, dann w?rest du gut versorgt.“

Doch D?umelieschen mochte den Nachbar gar nicht haben, denn er war ein Maulwurf. Er kam und machte in seinem schwarzen Sammetpelze seine Aufwartung. Er w?re sehr reich und sehr gelehrt, sagte die Feldmaus. Seine Wohnung war auch in der That zwanzigmal gr??er als die der Feldmaus, und Gelehrsamkeit besa? er, aber die Sonne und die herrlichen Blumen konnte er gar nicht leiden; ?ber sie wu?te er nur Schlimmes zu erz?hlen, weil er sie nie gesehen hatte.

Er hatte sich vor Kurzem einen langen Gang von seinem bis zu ihrem Hause durch die Erde gegraben; in ihm durfte die Feldmaus und D?umelieschen mit seiner Erlaubnis nach Herzenslust spazieren. Er bat sie aber, nicht vor dem toten Vogel zu erschrecken, der im Gange l?ge. Es war ein ganzer Vogel mit Federn und Schnabel, der erst k?rzlich beim Beginn des Winters gestorben sein konnte und nun gerade da begraben war, wo er seinen Gang angelegt hatte.

Der Maulwurf nahm ein faules St?ck Holz in das Maul, weil es im Dunkeln wie Feuer schimmert, ging dann voran und leuchtete ihnen in dem langen, finsteren Gange. Als sie zu der Stelle gelangten, wo der tote Vogel lag, dr?ckte der Maulwurf mit seiner breiten Nase gegen das Gew?lbe und stie? die Erde auf, so da? ein gro?es Loch entstand, durch welches das Licht hereinschimmerte. Mitten auf dem Boden lag eine tote Schwalbe, die sch?nen Fl?gel fest an die Seite gedr?ckt, die Beine und den Kopf unter die Federn gezogen. Der arme Vogel war sicher vor K?lte gestorben. D?umelieschen hatte inniges Mitleid mit ihr, sie liebte alle die kleinen V?gel, hatten sie ihr doch den ganzen Sommer hindurch so sch?n etwas vorgesungen und vorgezwitschert, aber der Maulwurf stie? ihn mit seinen kurzen Beinen und sagte: „Nun pfeift er nicht mehr! Es mu? doch j?mmerlich sein, als kleiner Vogel geboren zu werden! Au?er seinem „Quivit“ hat ja ein solcher Vogel durchaus nichts und mu? im Winter elendiglich verhungern!“

„Ja, das k?nnt Ihr als vern?nftiger Mann wohl sagen!“ entgegnete die Feldmaus. „Was hat ein Vogel f?r all sein Quivit, wenn der Winter kommt? Er mu? elendiglich verhungern und erfrieren.“

D?umelieschen sagte nichts, als aber die beiden andern dem Vogel den R?cken wandten, neigte sie sich hinab, schob die Federn, die ?ber seinem Kopfe lagen, zur Seite und k??te ihn auf die geschlossenen Augen. „Vielleicht war er es, der mir im Sommer so sch?n etwas vorsang,“ dachte sie, „wie viel Freude hat er mir verschafft, der liebe, sch?ne Vogel.“

Der Maulwurf stopfte nun das Loch, durch welches das Tageslicht hineinschien, wieder zu und begleitete die Damen nach Hause. Aber in der Nacht konnte D?umelieschen schlechterdings nicht schlafen. Da erhob sie sich von ihrem Bette und flocht aus Heu einen gro?en, sch?nen Teppich, trug ihn hinunter, breitete ihn ?ber den toten Vogel aus und legte weiche Baumwolle, die sie im Zimmer der Feldmaus gefunden hatte, dem Vogel zur Seite, damit er warm liegen m?chte in der kalten Erde.

„Lebewohl, du lieber sch?ner Vogel!“ sagte sie; „Lebewohl und Dank f?r deinen herrlichen Gesang im Sommer, als alle B?ume gr?n waren und die Sonne auf uns so warm hernieder schien!“ Dann legte sie ihr K?pfchen an des Vogels Brust, fuhr aber sogleich erschrocken zusammen, denn es war fast, als ob etwas in derselben klopfte. Das war des Vogels Herz. Der Vogel war nicht tot, er lag nur in einer Bet?ubung, war jetzt erw?rmt worden und bekam wieder Leben.

Im Herbste fliegen alle Schwalben nach den warmen L?ndern, versp?tet sich aber eine, so friert sie so, da? sie wie tot zur Erde f?llt und liegen bleibt, wohin sie f?llt, und der kalte Schnee seine Decke ?ber sie breitet.

D?umelieschen schauderte ordentlich, so war sie erschreckt worden, denn der Vogel war ihr gegen?ber, die kaum Daumesl?nge hatte, ja so erschrecklich gro?, aber sie fa?te doch wieder Mut, legte die Baumwolle dichter um die Schwalbe und holte ein Krausem?nzenblatt, dessen sie sich selbst als Deckbettes bedient hatte, und legte es ?ber den Kopf des Vogels.

In der n?chsten Nacht schlich sie sich wieder zu ihm hinunter, und nun war er lebendig, aber so matt, da? er nur einen kurzen Augenblick seine Augen zu ?ffnen und D?umelieschen anzusehen vermochte, die, weil sie kein anderes L?mpchen haben konnte, mit einem St?ckchen faulen Holzes in der Hand neben ihm stand.

„Herzlichen Dank, du niedliches kleines Kind!“ sagte die kranke Schwalbe zu ihr. „Ich bin vortrefflich erw?rmt! Bald erhalte ich meine Kr?fte wieder und kann dann drau?en im warmen Sonnenschein umherfliegen.“

„Ach!“ sagte sie, „es ist drau?en gar kalt, es schneit und friert! Bleib’ du in deinem warmen Bettchen, ich werde dich schon pflegen!“

Darauf brachte sie der Schwalbe Wasser in einem Blumenblatte und diese trank und erz?hlte ihr, wie sie sich an einem Dornbusche einen ihrer Fl?gel verletzt h?tte, weshalb sie nicht mehr so schnell wie die andern Schwalben zu fliegen vermochte, als dieselben weit weg nach den warmen L?ndern fortzogen. Endlich war sie auf die Erde gefallen, und was weiteres mit ihr geschehen, wu?te sie nicht.

Den ganzen Winter blieb sie nun da unten und D?umelieschen nahm sich ihrer auf das Beste an und hatte sie lieb. Weder der Maulwurf noch die Feldmaus erfuhr das Geringste davon, weil sie die arme Schwalbe nicht leiden mochten.

Sobald der Fr?hling kam und die Sonne die Erde erw?rmte, sagte die Schwalbe D?umelieschen Lebewohl, die nun das Loch ?ffnete, welches der Maulwurf in die Decke gemacht hatte. Die Sonne schien herrlich auf sie hernieder und die Schwalbe fragte, ob sie sie begleiten wollte, 6sie k?nnte ja auf ihrem R?cken sitzen, und dann wollten sie weit hinaus in den gr?nen Wald fliegen. Aber D?umelieschen wu?te, da? es die alte Feldmaus betr?ben w?rde, wenn sie dieselbe auf solche Art verlie?.

„Nein, ich kann nicht!“ sagte D?umelieschen. „Lebewohl, lebewohl! du gutes, liebes M?dchen!“ sagte die Schwalbe und flog hinaus in den Sonnenschein. D?umelieschen sah ihr nach und die Thr?nen traten ihr in die Augen, denn sie hatte die Schwalbe gar lieb.

„Quivit, quivit!“ sang der Vogel und flog hinein in den gr?nen Wald.

D?umelieschen war sehr betr?bt. Sie erhielt nie Erlaubnis, in den warmen Sonnenschein hinauszugehen. Das Korn, das auf dem Acker ?ber dem Hause der Feldmaus ausges?et war, wuchs auch hoch in die Luft empor; f?r das arme kleine M?dchen, das kaum Daumesl?nge hatte, war es ein v?llig undurchdringlicher Wald.

„W?hrend des Sommers sollst du nun an deiner Aussteuer n?hen!“ sagte die Feldmaus zu ihr, denn nun hatte der Nachbar, der langweilige Maulwurf in dem schwarzen Sammetpelze, sich um sie beworben.

D?umelieschen mu?te nun die Spindel drehen und die Feldmaus nahm vier Spinnen in Lohn, die Tag und Nacht spinnen und weben mu?ten. Jeden Abend kam der Maulwurf auf Besuch und sprach nur immer davon, da?, wenn der Sommer vergangen, die Sonne nicht mehr so warm scheinen w?rde, dann wollte er mit D?umelieschen Hochzeit feiern. Sie war aber gar nicht vergn?gt, denn sie hatte den langweiligen Maulwurf keineswegs lieb. Jeden Morgen, wenn die Sonne aufging, und jeden Abend, wenn sie unterging, schlich sie sich zur Th?r hinaus, und sobald der Wind die Korn?hren auseinander wehte, da? sie den blauen Himmel sehen konnte, dachte sie daran, wie hell und sch?n es hier drau?en w?re, und w?nschte so sehr, die liebe Schwalbe wiederzusehen; aber die kam nie wieder, die war gewi? weit fort in den sch?nen gr?nen Wald geflogen.

Als es nun Herbst wurde, hatte D?umelieschen ihre ganze Aussteuer fertig.

„In vier Wochen sollst du Hochzeit halten!“ sagte die Feldmaus zu ihr. Aber D?umelieschen weinte und sagte, sie wollte den langweiligen Maulwurf nicht haben.

„Schnickschnack!“ sagte die Feldmaus, „sei nur nicht widerspenstig, sonst mu? ich dich mit meinen wei?en Z?hnen bei?en.“

Nun sollte Hochzeit sein. Der Maulwurf war schon gekommen, D?umelieschen zu holen.

„Lebewohl, du klarer Sonnenstrahl!“ sagte sie und streckte die ?rmchen hoch empor und ging auch eine kurze Strecke vom Hause der Feldmaus fort, denn nun war das Korn geerntet und nur die d?rren Stoppeln standen noch da. „Lebewohl, Lebewohl!“ sagte sie und schlang ihre ?rmchen um eine kleine rote Blume, die daneben stand. „Gr??e die liebe Schwalbe von mir, wenn du sie zu sehen bekommst!“

„Quivit, quivit!“ ert?nte es in demselben Augenblicke ?ber ihrem Kopfe. Sie blickte auf, es war die Schwalbe, die gerade vor?berflog. Sobald sie D?umelieschen gewahrte, wurde sie sehr froh, sie erz?hlte derselben, wie ungern sie den garstigen Maulwurf zum Manne n?hme und da? sie nun tief unter der Erde wohnen sollte, wo das Sonnenlicht nie hineinschiene.

„Nun kommt der kalte Winter,“ sagte die Schwalbe, „ich fliege nach den warmen L?ndern fort. Willst du mich begleiten? Du kannst auf meinem R?cken sitzen! Fliege nur mit mir, du s??es kleines D?umelieschen, die du mir das Leben gerettet hast, als ich erfroren in dem finstern Schoo?e der Erde lag!“

„Ja, ich ziehe mit dir,“ sagte D?umelieschen, und setzte sich auf des Vogels R?cken, mit den F??en auf seine ausgebreiteten Fl?gel, band ihren G?rtel an einer der st?rksten Federn fest, 7und nun erhob sich die Schwalbe hoch in die L?fte, ?ber W?lder und Seen, hoch hinauf ?ber die gro?en Gebirge, wo immer Schnee liegt.

Endlich kamen sie nach den warmen L?ndern. Dort schien die Sonne weit heller als hier, der Himmel war doppelt so hoch und an den Gr?ben und Hecken wuchsen die herrlichsten gr?nen und blauen Weintrauben. In den W?ldern hingen Zitronen und Apfelsinen; Myrthen und Krausem?nzen erf?llten alles mit ihrem Duft. Aber die Schwalbe flog immer noch weiter und es wurde sch?ner und sch?ner. Unter den prachtvollsten gr?nen B?umen an dem blauen See stand seit alten Zeiten ein wei?es Marmorschlo?. Weinreben rankten sich um hohe S?ulen; an der ?u?ersten Spitze waren viele Schwalbennester und in einem derselben wohnte die Schwalbe, welche D?umelieschen trug.

„Hier ist mein Haus!“ sagte die Schwalbe. „Suche dir aber selbst eine der pr?chtigsten Blumen aus, die da unten wachsen, und ich will dich dann hinaufsetzen, und dein Los wird so gl?cklich sein, als du nur irgend w?nschen kannst!“

„O wie herrlich!“ sagte D?umelieschen und klatschte in die kleinen H?ndchen.

Da lag eine gro?e, wei?e Marmors?ule, welche zur Erde gesunken und in drei St?cke zerborsten war, zwischen ihnen aber wuchsen die sch?nsten gro?en wei?en Blumen. Die Schwalbe flog mit D?umelieschen hinunter und setzte sie auf eines der breiten Bl?tter. Aber wer malt ihr Erstaunen: mitten in der Blume sa? ein kleiner Mann, so wei? und durchsichtig, wie wenn er von Glas w?re. Die niedlichste goldene Krone hatte er auf dem Kopfe und die pr?chtigsten hellen Fl?gel auf den Schultern. Er selbst war nicht gr??er als D?umelieschen. Es war der Engel der Blumen. In jeder Blume wohnte so ein kleiner Mann oder eine Frau, dieser aber war der K?nig ?ber alle.

Der kleine Prinz erschrak gewaltig vor der Schwalbe, denn gegen ihn, der so klein und fein war, schien sie ein wahrer Riesenvogel zu sein. Als er aber D?umelieschen gewahrte, ward er gar froh, war sie doch das allersch?nste M?dchen, das er bis jetzt gesehen hatte. Deshalb nahm er die Goldkrone von seinem Haupte und setzte sie ihr auf, fragte, wie sie hie?e und ob sie seine Gemahlin sein wollte, dann sollte sie K?nigin ?ber alle Blumen werden.

D?umelieschen gab dem sch?nen Prinzen das Jawort, und von jeder Blume kam eine Dame, oder ein Herr, so allerliebst, da? es eine Lust war. Jedes brachte D?umelieschen ein Geschenk, aber das beste von allen waren ein Paar sch?ne Fl?gel von einer gro?en wei?en Fliege. Sie wurden D?umelieschen am R?cken befestigt und nun konnte auch sie von Blume zu Blume fliegen. ?berall herrschte dar?ber Freude und die Schwalbe sa? oben in ihrem Neste und sang ihnen etwas vor, so gut sie vermochte, aber im Herzen war sie gleichwohl betr?bt, denn sie hatte D?umelieschen gar lieb und w?rde sich nie von ihr getrennt haben.

„Du sollst fortan nicht mehr D?umelieschen hei?en!“ sagte der Engel der Blumen zu ihr, „das ist ein h??licher Name und du bist so sch?n. Wir wollen dich Maja nennen!“

„Lebewohl, lebewohl!“ sagte die Schwalbe, und zog wieder fort aus den warmen L?ndern, weit fort nach unserem kalten Himmelsstriche. Dort hatte sie ein kleines Nest oben an dem Fenster, wo der Mann wohnt, der M?rchen erz?hlen kann. Dem sang sie ihr „Quivit, quivit,“ vor. Davon haben wir die ganze Geschichte.

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